Lehrpersonenkommentar Re:aktiv | 8. Klasse

Lehrpersonenkommentar

Didaktische Hinweise, Lösungen, Experiment-Hinweise und Beurteilungsvorschläge zum Lehrmittel Re:aktiv – Chemie 8. Klasse, Sekundarschule Basel-Landschaft (Niveaus A, E, P).

Inhaltsverzeichnis

Einführung und Konzeption des Lehrmittels

Aufbau und Philosophie

Das Lehrmittel Re:aktiv ist für den Chemieunterricht der 8. Klasse (2. Sek) an der Sekundarschule des Kantons Basel-Landschaft konzipiert. Es orientiert sich konsequent am Lehrplan 21 BL und deckt die Kompetenzbereiche NT.2.1, NT.2.2, NT.3.1, NT.3.2 und NT.3.3 ab.

Das Lehrmittel verfolgt einen handlungsorientierten Ansatz: Jedes Kapitel beginnt mit einem alltagsnahen Einstieg, baut systematisch Fachwissen auf und vertieft dieses durch Experimente und differenzierte Aufgaben auf drei Niveaustufen.

Drei-Niveau-Differenzierung

Niveau A (Allgemein)

Grundlegende Anforderungen. Fokus auf Alltagsbezug, einfache Fachsprache, geführte Experimente. Die Lernenden beschreiben Phänomene und ordnen Grundbegriffe zu.

Niveau E (Erweitert)

Erweiterte Anforderungen. Verknüpfungen zwischen Konzepten, selbstständigere Arbeit, Erklärungen auf Teilchenebene. Die Lernenden erklären Zusammenhänge.

Niveau P (Progymnasial)

Hohe Anforderungen. Transferaufgaben, quantitative Betrachtungen, kritisches Denken, wissenschaftliche Argumentation. Die Lernenden analysieren und bewerten.

Stundenmodell

Das Lehrmittel ist auf 2 Pflichtlektionen + 1 Praktikumslektion pro Woche (Halbklassen) ausgelegt. Die Praktikumslektionen finden in Halbklassen statt und ermöglichen die Durchführung der Experimente unter sicheren Bedingungen. Pro Schuljahr stehen ca. 38 Unterrichtswochen zur Verfügung (abzüglich Ferien, Sondertage und Prüfungen).

Hinweis zur Sprache

Das Lehrmittel verwendet konsequent Schweizer Hochdeutsch (kein ss statt ss). Achten Sie darauf, dass auch die Lernenden in ihren Hefteinträgen «ss» statt «ss» verwenden, wo im Schweizer Schreibgebrauch üblich.

Übersicht: Alle Experimente

Alle 14 Experimente des Lehrmittels auf einen Blick. Nutzen Sie die Filter, um nach Kapitel zu filtern.

Kapitel Experiment Materialien (kurz) Zeitbedarf Sicherheit Niveau
Kap 1 Die Kerze beobachten Teelicht, Feuerzeug, Stoppuhr, Becherglas (250 ml), feuerfeste Unterlage 15 min 🔥 🥽 A E P
Kap 1 Wasser erhitzen – Temperaturverlauf messen Becherglas, Wasser, Bunsenbrenner, Stativ, Drahtnetz, Thermometer, Stoppuhr 30 min 🔥 🥽 A E P
Kap 2 Stoffeigenschaften untersuchen Zucker, Salz, Mehl, Sand, Eisenpulver, Bechergläser, Magnet, Bunsenbrenner, Batterie 45 min 🔥 🥽 A E P
Kap 2 Filzstift-Chromatografie Filterpapier, Filzstifte (wasserlöslich), Petrischale, Wasser, Bleistift 20 min A E P
Kap 2 Destillation von Tintenwasser Rundkolben, Thermometer, Liebig-Kühler, Stativ, Bunsenbrenner, Tintenwasser, Siedesteinchen 45 min 🔥 🥽 ⚠️ E P
Kap 3 Eisen und Schwefel – eine Synthese Eisenpulver, Schwefelpulver, Reagenzglas, Bunsenbrenner, Magnet, Mörser 30 min 🔥 🥽 ⚠️ ⚛️ A E P
Kap 3 Kalkwasser-Probe (CO₂-Nachweis) Kalkwasser, Reagenzgläser, Trinkhalm, Sprudelwasser 15 min 🥽 ⚛️ A E P
Kap 3 Elefantenzahnpasta – der Katalysator in Aktion H₂O₂ (30 %), Spülmittel, Lebensmittelfarbe, MnO₂ / Hefe, Standzylinder, Auffangwanne 20 min 🥽 ⚛️ ⚠️ A E P
Kap 4 Kerzenlöscher – Verbrennungsdreieck in Aktion Teelicht, 3 Gläser (klein/mittel/gross), Stoppuhr, feuerfeste Unterlage 20 min 🔥 A E P
Kap 4 Eisenwolle verbrennen – Masse nimmt zu! Eisenwolle, Waage, Bunsenbrenner, feuerfeste Unterlage, Tiegelzange 20 min 🔥 🥽 A E P
Kap 4 Kupferoxid-Reduktion Kupferoxid (CuO), Aktivkohle, Reagenzglas, Bunsenbrenner, Kalkwasser, Glasrohr 30 min 🔥 🥽 ⚛️ E P
Kap 5 Rotkohl-Indikator herstellen Rotkohl, heisses Wasser, Gläser, Essig, Zitronensaft, Seifenwasser, Backpulver, Cola 30 min 🥽 A E P
Kap 5 Neutralisation mit pH-Verlauf Salzsäure (0,1 mol/l), Natronlauge (0,1 mol/l), Universalindikator, Becherglas, Pipette, pH-Papier 30 min 🥽 ⚛️ ⚠️ E P
Kap 6 Einen Wasserfilter bauen PET-Flasche, Watte, feiner Sand, Kies, Aktivkohle, Becherglas, Schmutzwasser 45 min A E P
Legende Sicherheit:  🔥 Feuer/Flamme   🥽 Schutzbrille   ⚛️ Chemikalien (ätzend/giftig)   ⚠️ Abzug / besondere Vorsicht   – Keine besonderen Gefahren
Niveau:A Allgemein  E Erweitert  P Profiliert

Jahresplanung – Vorschlag für 38 Schulwochen

Die folgende Planung geht von 2 Pflichtlektionen (Theorie) und 1 Praktikumslektion (Halbklasse) pro Woche aus. Die Reihenfolge der Kapitel ist so gewählt, dass die Sicherheitsgrundlagen zuerst behandelt werden und die Komplexität schrittweise zunimmt. Passen Sie die Planung an die lokalen Gegebenheiten (Ferienplan BL, Sondertage, Projekttage) an.

Woche Zeitraum Kapitel / Inhalt Theorie (2 Lekt.) Praktikum (1 Lekt.)
1. Semester (August – Januar)
1 KW 34 Kap 1: Sicherheit im Labor Einführung, Laborordnung, Verhaltensregeln Laborrundgang, Sicherheitsausrüstung kennenlernen
2 KW 35 Kap 1 GHS-Gefahrensymbole, H- und P-Sätze GHS-Symbole zuordnen, Etiketten lesen
3 KW 36 Kap 1 Erste Hilfe, Notfallmassnahmen Grundlegende Labortechniken: Abwiegen, Umfüllen
4 KW 37 Kap 1 Laborgeräte und deren Verwendung Bunsenbrenner-Führerschein
5 KW 38 Kap 1 Repetition und Laborführerschein-Prüfung Laborführerschein (praktisch)
Herbstferien (2 Wochen) – KW 39–40
6 KW 41 Kap 2: Stoffe und ihre Eigenschaften Einstieg: Was ist ein Stoff? Stoffeigenschaften Stoffe mit den Sinnen untersuchen
7 KW 42 Kap 2 Aggregatzustände, Zustandsänderungen Schmelz- und Siedepunkt bestimmen
8 KW 43 Kap 2 Teilchenmodell Modellversuch: Diffusion, Brownsche Bewegung
9 KW 44 Kap 2 Reinstoffe und Gemische Gemische herstellen und klassifizieren
10 KW 45 Kap 2 Trennverfahren: Filtrieren, Eindampfen, Destillieren Salzwasser trennen (Eindampfen)
11 KW 46 Kap 2 Trennverfahren: Chromatografie, Extraktion Papierchromatografie von Filzstiftfarben
12 KW 47 Kap 2 Dichte und Löslichkeit Dichtebestimmung verschiedener Stoffe
13 KW 48 Kap 2 Repetition Kap 2, Test Stoffe Unbekannten Stoff identifizieren (Praktische Prüfung)
14 KW 49 Kap 3: Chemische Reaktionen Einstieg: Physikalischer Vorgang vs. chemische Reaktion Wunderkerze, Brausetablette: Reaktion oder nicht?
15 KW 50 Kap 3 Edukte und Produkte, Wortgleichungen Eisen und Schwefel reagieren
16 KW 51 Kap 3 Massenerhaltung (Gesetz von Lavoisier) Massenerhaltung nachweisen (geschlossenes System)
Weihnachtsferien (2 Wochen) – KW 52–1
17 KW 2 Kap 3 Energieumsatz: exotherm und endotherm Handwärmer und Kältekompresse
18 KW 3 Kap 3 Nachweisreaktionen (CO₂, H₂O, O₂, H₂) Gasnachweis-Stationen
19 KW 4 Kap 3 Katalysatoren, Aktivierungsenergie Katalase in Kartoffeln (H₂O₂-Zersetzung)
20 KW 5 Kap 3 Repetition und Test Kap 3 Vertiefungsexperiment / Nachholtermin
2. Semester (Februar – Juli)
Sportferien (1 Woche) – KW 6
21 KW 7 Kap 4: Verbrennung, Oxidation, Korrosion Einstieg: Was brennt? Verbrennungsdreieck Verbrennungsdreieck experimentell nachweisen
22 KW 8 Kap 4 Verbrennung als Oxidation, Oxide Verbrennung von Metallen (Eisenwolle, Magnesiumband)
23 KW 9 Kap 4 Korrosion und Rostschutz Rostversuch: Welche Bedingungen braucht Rost?
24 KW 10 Kap 4 Brandbekämpfung, Feuerlöscher CO₂-Feuerlöscher bauen
25 KW 11 Kap 4 Reduktion, Redoxreaktion (Einführung) Kupferoxid-Reduktion mit Kohlenstoff
26 KW 12 Kap 4 Repetition und Test Kap 4 Vertiefungsexperiment
Frühlingsferien (2 Wochen) – KW 13–14
27 KW 15 Kap 5: Säuren, Basen und Salze Einstieg: Säuren und Basen im Alltag Alltagsstoffe testen: sauer, neutral, basisch?
28 KW 16 Kap 5 pH-Wert und pH-Skala pH-Wert messen (Universalindikator, pH-Papier)
29 KW 17 Kap 5 Indikatoren (Lackmus, Phenolphthalein, Rotkraut) Rotkrautsaft als Indikator herstellen
30 KW 18 Kap 5 Wichtige Säuren: Salzsäure, Schwefelsäure, Essigsäure Eigenschaften von Säuren untersuchen
31 KW 19 Kap 5 Wichtige Basen: Natronlauge, Kalkwasser, Ammoniak Eigenschaften von Basen untersuchen
32 KW 20 Kap 5 Neutralisation und Salzbildung Neutralisation mit Indikator beobachten
33 KW 21 Kap 5 Salze im Alltag, Kochsalz-Gewinnung Salzkristalle züchten (Langzeitexperiment)
34 KW 22 Kap 5 Repetition und Test Kap 5 Unbekannte Lösung bestimmen (pH, Indikator)
35 KW 23 Kap 6: Stoffe als globale Ressource Einstieg: Woher kommen unsere Rohstoffe? Handy zerlegen: Welche Stoffe stecken drin?
36 KW 24 Kap 6 Wasserkreislauf, Kohlenstoffkreislauf Wasserkreislauf im Modell
37 KW 25 Kap 6 Fossile Brennstoffe, Treibhauseffekt, Recycling Kunststoff-Recycling: Schwimm-Sink-Verfahren
38 KW 26 Kap 6 Nachhaltigkeit, Repetition, Abschlusstest Projekt: Nachhaltigkeits-Poster
Sommerferien (5 Wochen) – KW 27–31

Hinweis zur Flexibilität

Die Jahresplanung ist ein Vorschlag. Je nach Klasse und Vorwissen können einzelne Kapitel gestrafft oder erweitert werden. Kapitel 6 ist bewusst kürzer gehalten und kann bei Zeitdruck komprimiert behandelt werden. Planen Sie pro Semester mindestens eine Doppellektion als Puffer für Unvorhergesehenes ein.

Kompetenzbezüge – Lehrplan 21 BL

Die folgende Übersicht zeigt, welche Kapitel und Aufgaben welche Kompetenzen des Lehrplans 21 im Fachbereich Natur und Technik (NT) abdecken.

Kompetenzbereich Kompetenzstufe Kapitel Aufgabenbeispiele
NT.2.1
Stoffe erforschen
NT.2.1.a–c: Stoffeigenschaften beschreiben, Stoffe ordnen Kap 2 Aufg. 2.1–2.8 (A/E/P), Experiment Stoffeigenschaften
NT.2.1.d–e: Trennverfahren anwenden, Reinstoffe und Gemische Kap 2 Aufg. 2.9–2.15, Experimente Filtrieren/Chromatografie
NT.2.1.f: Stoffe mit Modellen erklären Kap 2, 3 Aufg. 2.16–2.20 (E/P), Teilchenmodell-Aufgaben
NT.2.2
Stoffumwandlungen
NT.2.2.a–c: Chem. Reaktionen erkennen, beschreiben Kap 3, 4 Aufg. 3.1–3.10, 4.1–4.6, Wortgleichungen
NT.2.2.d–e: Energieumsatz, Reaktionstypen Kap 3, 4, 5 Aufg. 3.11–3.18 (E/P), Energiediagramme, Neutralisation
NT.3.1
Chemische Reaktionen erforschen
NT.3.1.a–b: Nachweisreaktionen durchführen Kap 3, 5 Aufg. 3.14–3.16, Gasnachweise, Indikator-Versuche
NT.3.1.c: Reaktionsgleichungen (Wortgleichungen) Kap 3, 4, 5 Aufg. 3.8–3.10, 4.8–4.12, 5.10–5.14 (E/P)
NT.3.2
Bedeutung von Stoffen
NT.3.2.a–b: Bedeutung von Rohstoffen und Kreisläufen Kap 6 Aufg. 6.1–6.8, Wasserkreislauf, Kohlenstoffkreislauf
NT.3.2.c: Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen Kap 6 Aufg. 6.9–6.14, Recycling-Projekt
NT.3.3
Gefahren und Sicherheit
NT.3.3.a–b: Sicherheitsregeln, Gefahrensymbole Kap 1 Aufg. 1.1–1.10, Laborführerschein, GHS-Zuordnung
NT.3.3.c: Sicherheit bei Experimenten Kap 1, 4, 5 Alle Experiment-Sicherheitshinweise, Aufg. 1.11–1.15

1 Sicherheit im Labor & chemisches Arbeiten

Didaktische Hinweise

Einstiegsmöglichkeiten

  • Bild-Impuls: Zeigen Sie Fotos von Laborunfällen (z.B. zerbrochene Glasgeräte, verschüttete Chemikalien). Die Lernenden diskutieren: Was ist hier schiefgelaufen? Wie hätte man es verhindern können?
  • Video: Kurzer Film über einen «Tag im Labor» (z.B. Chemie-Labor an der Uni Basel). Die Lernenden notieren, welche Schutzmassnahmen sie beobachten.
  • Alltagsbezug: Sammeln Sie mit der Klasse Gefahrensymbole von Produkten zu Hause (Reinigungsmittel, Sprays). Welche Symbole kennen die Lernenden bereits?

Vorwissen aktivieren

Die meisten Lernenden kennen bereits einzelne Gefahrensymbole aus dem Alltag. Knüpfen Sie daran an. Fragen Sie: «Wo habt ihr schon einmal ein rotes Warnzeichen gesehen? Was bedeutet es?» Einige haben in der Primarschule bereits mit dem Bunsenbrenner gearbeitet – aktivieren Sie diese Erfahrungen.

Differenzierung A / E / P

Niveau A
  • GHS-Symbole benennen und zuordnen
  • Laborregeln in eigenen Worten wiedergeben
  • Geführter Bunsenbrenner-Führerschein
Niveau E
  • H- und P-Sätze interpretieren
  • Schutzmassnahmen begründen
  • Selbstständiger Bunsenbrenner-Führerschein
Niveau P
  • Sicherheitsdatenblätter lesen und auswerten
  • Risikoanalyse für ein Experiment erstellen
  • Ersthelfer-Protokoll verfassen

Lösungen zu den Aufgaben

Aufgabe 1.1 (A): Nenne fünf grundlegende Laborregeln.

Lösung: (1) Schutzbrille tragen. (2) Nicht essen, trinken oder Kaugummi kauen im Labor. (3) Lange Haare zusammenbinden. (4) Geschlossene Schuhe tragen. (5) Nur unter Aufsicht der Lehrperson experimentieren.

Aufgabe 1.2 (A): Ordne die GHS-Symbole den richtigen Bedeutungen zu.

Lösung: GHS01 = Explodierende Bombe (explosionsgefährlich), GHS02 = Flamme (entzündbar), GHS03 = Flamme über Kreis (brandfördernd), GHS04 = Gasflasche (Gase unter Druck), GHS05 = Ätzwirkung (ätzend), GHS06 = Totenkopf (giftig), GHS07 = Ausrufezeichen (gesundheitsschädlich/reizend), GHS08 = Gesundheitsgefahr (schwere Gesundheitsgefahr), GHS09 = Umwelt (umweltgefährlich).

Aufgabe 1.3 (A): Was tust du, wenn dir eine Chemikalie auf die Haut gelangt?

Lösung: Sofort mit viel Wasser abspülen (mindestens 15 Minuten bei ätzenden Stoffen). Lehrperson informieren. Gegebenenfalls kontaminierte Kleidung ausziehen.

Aufgabe 1.4 (E): Erkläre den Unterschied zwischen H-Sätzen und P-Sätzen.

Lösung: H-Sätze (Hazard Statements) beschreiben die Gefährdungen, die von einem Stoff ausgehen (z.B. H225: Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar). P-Sätze (Precautionary Statements) beschreiben die Sicherheitsmassnahmen, die man treffen muss (z.B. P210: Von Hitze, heissen Oberflächen, Funken, offenen Flammen und anderen Zündquellen fernhalten).

Aufgabe 1.5 (E): Warum ist es wichtig, beim Erhitzen von Flüssigkeiten Siedesteinchen zu verwenden?

Lösung: Siedesteinchen verhindern einen Siedeverzug. Ohne Siedesteinchen kann sich eine Flüssigkeit über ihren Siedepunkt hinaus erhitzen und dann plötzlich heftig aufkochen, was zu Verspritzen und Verbrennungen führen kann. Die Siedesteinchen erzeugen kleine Gasbläschen, die ein gleichmässiges Sieden ermöglichen.

Aufgabe 1.6 (P): Ein Sicherheitsdatenblatt enthält unter Abschnitt 2 folgende H-Sätze: H302, H315, H319. Was bedeuten diese und welche Schutzmassnahmen sind nötig?

Lösung: H302 = Gesundheitsschädlich bei Verschlucken. H315 = Verursacht Hautreizung. H319 = Verursacht schwere Augenreizung. Schutzmassnahmen: Schutzbrille und Handschuhe tragen, nicht in der Nähe von Lebensmitteln arbeiten, nach Hautkontakt gründlich mit Wasser und Seife waschen, bei Augenkontakt sofort mit Wasser ausspülen.

Aufgabe 1.7 (A): Beschrifte die Teile des Bunsenbrenners.

Lösung: Von unten nach oben: Gasanschluss, Fuss/Sockel, Gaszufuhr (Regulierschraube), Luftzufuhr (Luftregulierung/Hülse), Brennerrohr, Flamme. Die leuchtende Flamme (gelb) entsteht bei geschlossener Luftzufuhr, die rauschende Flamme (blau) bei geöffneter Luftzufuhr. Die rauschende Flamme ist heisser.

Aufgabe 1.8 (E): Erkläre, warum man die Gasregulierung immer vor dem Anzünden öffnet und nicht umgekehrt.

Lösung: Man öffnet zuerst die Gaszufuhr leicht und zündet dann sofort an. Wenn man zuerst das Gas voll aufdreht und dann versucht zu zünden, strömt eine grosse Menge Gas aus, die sich explosionsartig entzünden kann (Verpuffung). Bei der richtigen Reihenfolge ist die Gasmenge kontrolliert und die Flamme entzündet sich sicher.

Aufgabe 1.9 (P): Erstelle eine Risikoanalyse für das Experiment «Erhitzen von Kupfersulfat-Lösung».

Lösung: Gefahren: Kupfersulfat ist umweltgefährlich (GHS09) und gesundheitsschädlich (GHS07). Heisse Flüssigkeit kann spritzen. Risikobewertung: mittleres Risiko. Massnahmen: Schutzbrille, Handschuhe, Siedesteinchen verwenden, nur kleine Mengen erhitzen, Abdampfschale verwenden, Lösung nicht in den Abguss schütten sondern im Schwermetall-Abfallbehälter entsorgen.

Experiment-Hinweise

Experiment: Bunsenbrenner-Führerschein

Zeitbedarf: 45 Min (1 Lektion)

Vorbereitung: Pro Arbeitsplatz: 1 Bunsenbrenner, Feuerzeug/Streichhölzer, Dreifuss mit Drahtnetz, Becherglas mit Wasser. Gasanschlüsse vorab prüfen.

Sicherheitshinweise: Haare zusammenbinden, Schutzbrillen auf. Gasschläuche auf Risse prüfen. Lüftung einschalten. Feuerlöscher bereithalten. Maximal 2 SuS pro Bunsenbrenner.

Alternative Materialien: Falls kein Gasanschluss vorhanden: Spiritusbrenner (weniger heiss, aber ausreichend für erste Versuche). Alternativ können Campingkocher (mit Aufsicht) verwendet werden.

Häufige Fehler
  • Gaszufuhr wird vor dem Anzünden zu weit geöffnet (Verpuffungsgefahr)
  • Luftzufuhr wird nicht reguliert (nur leuchtende Flamme)
  • Lernende fassen den heissen Dreifuss an
  • Gasschlauch wird geknickt oder liegt über der Flamme

Experiment: GHS-Symbole auf Haushaltsprodukten

Zeitbedarf: 30 Min

Vorbereitung: Sammeln Sie leere, gespülte Verpackungen von Haushaltsprodukten (Reinigungsmittel, WC-Reiniger, Entkalker, Klebstoffe). Alternativ: Fotos der Etiketten ausdrucken.

Sicherheitshinweise: Nur leere, gespülte Verpackungen verwenden. Keine Originalprodukte mitbringen lassen.

Alternative: Digitale Variante – Lernende suchen Sicherheitsdatenblätter online und ordnen GHS-Symbole zu.

2 Stoffe und ihre Eigenschaften

Didaktische Hinweise

Einstiegsmöglichkeiten

  • Mystery-Box: Legen Sie verschiedene Stoffe (Zucker, Salz, Mehl, Sand, Eisenpulver) in identische, undurchsichtige Behälter. Die Lernenden dürfen nur über Riechen, Schütteln und Wiegen herausfinden, was drin ist.
  • Alltagsfrage: «Warum schwimmt Eis auf Wasser?» – Leitet direkt in Stoffeigenschaften und Dichte ein.
  • Concept Cartoon: Zwei Figuren diskutieren: «Luft ist kein Stoff, weil man sie nicht sehen kann.» / «Doch, Luft ist ein Stoff, weil sie Platz braucht.»

Vorwissen aktivieren

Aus dem NMG-Unterricht der Primarschule kennen die Lernenden bereits die drei Aggregatzustände (fest, flüssig, gasförmig) sowie einfache Stoffeigenschaften (Farbe, Geruch). Das Teilchenmodell ist für die meisten neu. Beginnen Sie mit beobachtbaren Eigenschaften und führen Sie das Teilchenmodell erst im zweiten Schritt ein.

Differenzierung A / E / P

Niveau A
  • Stoffe nach beobachtbaren Eigenschaften ordnen
  • Aggregatzustände benennen
  • Einfache Trennverfahren durchführen
Niveau E
  • Stoffeigenschaften quantitativ erfassen (Dichte, Siedepunkt)
  • Teilchenmodell zur Erklärung nutzen
  • Trennverfahren auswählen und begründen
Niveau P
  • Dichte berechnen (ρ = m/V)
  • Zustandsdiagramme interpretieren
  • Trennverfahren für komplexe Gemische planen

Lösungen zu den Aufgaben

Aufgabe 2.1 (A): Nenne fünf Stoffeigenschaften, mit denen man Stoffe unterscheiden kann.

Lösung: Farbe, Geruch, Schmelzpunkt, Siedepunkt, Dichte, Löslichkeit, elektrische Leitfähigkeit, Härte, Magnetismus. (Fünf davon genügen.)

Aufgabe 2.2 (A): Ordne die Stoffe Wasser, Eisen, Sauerstoff und Speiseöl den Aggregatzuständen bei Raumtemperatur zu.

Lösung: Fest: Eisen. Flüssig: Wasser, Speiseöl. Gasförmig: Sauerstoff.

Aufgabe 2.3 (E): Erkläre mit dem Teilchenmodell, warum ein fester Stoff seine Form behält, eine Flüssigkeit jedoch nicht.

Lösung: Im festen Zustand sind die Teilchen eng beieinander und in einer festen Anordnung. Sie schwingen nur um ihre Ruhelage. Daher behält der Feststoff seine Form. In einer Flüssigkeit sind die Teilchen zwar noch nahe beieinander, aber sie können sich gegeneinander verschieben. Die Anziehungskräfte sind schwächer als im Feststoff. Deshalb nimmt eine Flüssigkeit die Form des Gefässes an, behält aber ihr Volumen.

Aufgabe 2.4 (E): Erkläre den Unterschied zwischen einem Reinstoff und einem Gemisch. Gib je zwei Beispiele.

Lösung: Ein Reinstoff besteht aus nur einer Sorte von Teilchen und hat konstante Eigenschaften (z.B. Siedepunkt). Beispiele: destilliertes Wasser, reines Kochsalz (NaCl), Eisen. Ein Gemisch besteht aus zwei oder mehr Reinstoffen, die miteinander vermischt sind. Die Eigenschaften hängen von der Zusammensetzung ab. Beispiele: Salzwasser, Luft, Granit, Milch.

Aufgabe 2.5 (A): Nenne die Zustandsänderungen und ihre Namen: fest → flüssig, flüssig → gasförmig, usw.

Lösung: Fest → flüssig: Schmelzen. Flüssig → gasförmig: Verdampfen (Sieden). Gasförmig → flüssig: Kondensieren. Flüssig → fest: Erstarren. Fest → gasförmig: Sublimieren. Gasförmig → fest: Resublimieren (Desublimieren).

Aufgabe 2.6 (P): Ein unbekannter Feststoff hat eine Masse von 45 g und ein Volumen von 5.0 cm³. Berechne die Dichte und bestimme den Stoff mithilfe einer Dichtetabelle.

Lösung: ρ = m / V = 45 g / 5.0 cm³ = 9.0 g/cm³. Vergleich mit Tabelle: Kupfer hat eine Dichte von ca. 8.9 g/cm³ – der Stoff ist wahrscheinlich Kupfer.

Aufgabe 2.7 (E): Welches Trennverfahren würdest du verwenden, um Sand aus Salzwasser zu entfernen? Begründe.

Lösung: Filtrieren. Sand ist in Wasser unlöslich und bleibt als Rückstand im Filter zurück, während die Salzlösung durch das Filterpapier fliesst. (Anschliessend kann man das Salz durch Eindampfen gewinnen.)

Aufgabe 2.8 (P): Beschreibe, wie du aus einem Gemisch aus Sand, Salz und Eisenspänen die drei Reinstoffe gewinnen kannst.

Lösung: Schritt 1: Eisenspäne mit einem Magneten entfernen (Magnetismus). Schritt 2: Verbleibendes Gemisch (Sand + Salz) in Wasser lösen – das Salz löst sich, der Sand nicht. Schritt 3: Filtrieren – Sand bleibt im Filter (trocknen lassen). Schritt 4: Filtrat (Salzwasser) eindampfen – Salzkristalle bleiben zurück.

Aufgabe 2.9 (P): Erkläre, warum Papierchromatografie funktioniert, und warum sich verschiedene Farben unterschiedlich weit bewegen.

Lösung: Bei der Papierchromatografie wird ein Gemisch (z.B. Filzstiftfarbe) in seine Bestandteile aufgetrennt. Das Lösungsmittel (Wasser) wandert durch das Papier (Kapillarwirkung) und nimmt die gelösten Farbstoffe mit. Farbstoffe, die sich gut im Lösungsmittel lösen, werden weiter mitgenommen. Farbstoffe, die stärker am Papier haften, bleiben weiter unten. So trennen sich die Farben auf.

Experiment-Hinweise

Experiment: Stoffe mit den Sinnen untersuchen

Zeitbedarf: 30 Min

Vorbereitung: 6–8 Stoffe in beschrifteten Behältern (z.B. Zucker, Salz, Sand, Mehl, Natron, Zitronensäure, Stärke, Kreide). Lupen, Spateln.

Sicherheitshinweise: Nicht schmecken! Beim Riechen: Fächeltechnik verwenden. Zitronensäure und Natron sind reizend – Hautkontakt vermeiden.

Alternative: Statt echte Stoffe können für Niveau A auch Stoff-Steckbriefe mit Fotos und Beschreibungen verwendet werden.

Häufige Fehler
  • Lernende schmecken an den Stoffen (streng verboten!)
  • Verwechslung von «Stoff» im Alltag (Textil) und in der Chemie
  • Lernende riechen direkt am Gefäss statt zu fächeln

Experiment: Papierchromatografie

Zeitbedarf: 40 Min

Vorbereitung: Filterpapierstreifen (oder Kaffeefilterpapier), Bechergläser, Wasser, verschiedene wasserlösliche Filzstifte (schwarz und braun eignen sich am besten). Bleistift zum Markieren der Startlinie.

Sicherheitshinweise: Keine besonderen Gefahren. Lösungsmittel ist Wasser.

Alternative Materialien: Statt Filterpapier: weisses Löschpapier oder Kaffeefilter zuschneiden. Statt Becherglas: Marmeladenglas mit Bleistift als Querstab.

Häufige Fehler
  • Farbpunkt wird zu tief gesetzt und taucht ins Wasser (löst sich auf statt zu wandern)
  • Zu viel Wasser im Glas (Farbpunkt muss ÜBER dem Wasserspiegel sein)
  • Papier wird herausgenommen, bevor das Lösungsmittel weit genug gewandert ist

Experiment: Dichtebestimmung

Zeitbedarf: 45 Min

Vorbereitung: Waagen (0.1 g Genauigkeit), Messzylinder (verschiedene Grössen), regelmässig geformte Festkörper (Würfel, Quader aus Holz, Metall, Kunststoff). Überlaufgefäss für unregelmässige Körper.

Sicherheitshinweise: Glasbruchgefahr bei Messzylindern. Schwere Metallstücke nicht fallen lassen.

Häufige Fehler
  • Messzylinder wird schief abgelesen (Meniskus beachten!)
  • Festkörper ist grösser als der Messzylinder – Überlaufmethode vergessen
  • Einheiten werden verwechselt (ml vs. cm³ – sind identisch!)
  • Rechenweg nicht aufgeschrieben (P-Niveau: Einheiten mitführen)

3 Chemische Reaktionen

Didaktische Hinweise

Einstiegsmöglichkeiten

  • Demo-Experiment: Wunderkerze anzünden. Frage: «Ist das ein physikalischer Vorgang oder eine chemische Reaktion? Woran erkennt man das?»
  • Sortieraufgabe: Karten mit Vorgängen (Eis schmilzt, Holz verbrennt, Zucker löst sich, Eisen rostet, Wasser verdampft, Milch wird sauer) – Lernende sortieren in «chemisch» und «physikalisch».
  • Phänomen-Sammlung: Lernende sammeln Anzeichen für chemische Reaktionen: Farbänderung, Gasbildung, Energiefreisetzung, neuer Stoff entsteht.

Vorwissen aktivieren

Die Lernenden kennen aus Kapitel 2 den Unterschied zwischen Reinstoffen und Gemischen sowie die physikalischen Zustandsänderungen. Betonen Sie den Unterschied: Bei physikalischen Vorgängen bleiben die Stoffe erhalten, bei chemischen Reaktionen entstehen neue Stoffe mit neuen Eigenschaften.

Differenzierung A / E / P

Niveau A
  • Chemische Reaktionen erkennen und beschreiben
  • Einfache Wortgleichungen aufstellen
  • Exotherm/endotherm zuordnen
Niveau E
  • Massenerhaltung erklären
  • Nachweisreaktionen durchführen und auswerten
  • Energiediagramme lesen und beschreiben
Niveau P
  • Energiediagramme zeichnen und interpretieren
  • Aktivierungsenergie und Katalysatoren erklären
  • Reaktionen auf Teilchenebene beschreiben

Lösungen zu den Aufgaben

Aufgabe 3.1 (A): Nenne drei Anzeichen für eine chemische Reaktion.

Lösung: (1) Farbänderung. (2) Gasbildung (Blasen, Geruch). (3) Wärmeentwicklung oder Abkühlung. Weitere: Lichterscheinung, Niederschlagsbildung, neuer Stoff mit neuen Eigenschaften.

Aufgabe 3.2 (A): Entscheide, ob es sich um eine chemische Reaktion oder einen physikalischen Vorgang handelt: (a) Zucker löst sich in Wasser, (b) Holz verbrennt, (c) Wasser verdampft, (d) Milch wird sauer.

Lösung: (a) Physikalisch – der Zucker bleibt Zucker, er ist nur gelöst. (b) Chemisch – es entstehen neue Stoffe (CO₂, H₂O, Asche). (c) Physikalisch – das Wasser bleibt Wasser, nur der Aggregatzustand ändert sich. (d) Chemisch – Milchzucker wird durch Bakterien in Milchsäure umgewandelt.

Aufgabe 3.3 (E): Stelle die Wortgleichung für die Verbrennung von Kohlenstoff auf.

Lösung: Kohlenstoff + Sauerstoff → Kohlenstoffdioxid. Edukte: Kohlenstoff und Sauerstoff. Produkt: Kohlenstoffdioxid.

Aufgabe 3.4 (E): Erkläre das Gesetz der Massenerhaltung (Lavoisier) in eigenen Worten.

Lösung: Bei einer chemischen Reaktion ist die Gesamtmasse der Edukte (Ausgangsstoffe) gleich der Gesamtmasse der Produkte (Endstoffe). Es geht keine Masse verloren und es kommt keine hinzu. Die Atome werden nur umgruppiert, nicht vernichtet oder neu erschaffen.

Aufgabe 3.5 (E): Beschreibe die Knallgasprobe und erkläre, was sie nachweist.

Lösung: Man fängt das zu prüfende Gas in einem Reagenzglas auf und hält eine brennende Flamme (Holzspan) an die Öffnung. Wenn ein pfeifendes «Plopp» zu hören ist, handelt es sich um Wasserstoff (H₂). Bei einem dumpfen Knall ist das Gas mit Luft gemischt (Knallgas = H₂ + O₂), was gefährlich sein kann.

Aufgabe 3.6 (P): Zeichne ein Energiediagramm für eine exotherme Reaktion. Beschrifte Edukte, Produkte, Aktivierungsenergie und freigesetzte Energie.

Lösung: Das Energiediagramm zeigt auf der y-Achse die Energie und auf der x-Achse den Reaktionsverlauf. Die Edukte liegen auf einem höheren Energieniveau als die Produkte. Dazwischen befindet sich ein Energieberg (Aktivierungsenergie). Die Differenz zwischen Edukt- und Produktniveau ist die freigesetzte Energie (ΔE < 0). Bei einem Katalysator ist der Energieberg niedriger, die freigesetzte Energie bleibt gleich.

Aufgabe 3.7 (P): Erkläre, warum ein Katalysator eine Reaktion beschleunigt, ohne dabei selbst verbraucht zu werden.

Lösung: Ein Katalysator senkt die Aktivierungsenergie einer Reaktion, indem er einen alternativen Reaktionsweg mit niedrigerer Energiebarriere ermöglicht. Er geht zwar eine vorübergehende Verbindung mit den Edukten ein, wird aber am Ende der Reaktion unverändert zurückgebildet. Deshalb wird er nicht verbraucht und kann immer wieder wirken.

Experiment-Hinweise

Experiment: Eisen und Schwefel reagieren

Zeitbedarf: 45 Min

Vorbereitung: Eisenpulver und Schwefelpulver im Verhältnis 7:4 (Masse) mischen. Reagenzgläser, Stativ, Bunsenbrenner, Magnet zum Vorher-Nachher-Vergleich.

Sicherheitshinweise (wichtig!)

Nur als Lehrerdemonstration durchführen! Schwefeldioxid (SO₂) entsteht – Abzug verwenden oder im Freien durchführen. Schutzbrille und Handschuhe tragen. Nur kleine Mengen verwenden (max. 5 g Gemisch). Das Produkt (Eisensulfid) ist heiss und kann noch nachglühen.

Alternative: Wenn kein Abzug vorhanden: Video des Experiments zeigen und anschliessend das Produkt (vorher hergestelltes Eisensulfid) untersuchen lassen (Magnet-Test, Farbe, Aussehen).

Häufige Fehler
  • Zu grosse Mengen verwendet → starke Rauchentwicklung
  • Gemisch nicht homogen genug → Reaktion läuft nicht vollständig ab
  • Reagenzglas springt, weil es zu schnell erhitzt wurde

Experiment: Massenerhaltung nachweisen

Zeitbedarf: 30 Min

Vorbereitung: Erlenmeyerkolben mit Luftballon, Brausetabletten, Wasser, Waage (0.01 g Genauigkeit empfohlen). Alternative: Verschliessbare PET-Flasche.

Durchführung: Wasser in den Kolben, Brausetablette in den Luftballon. Vorher wiegen. Ballon über den Kolben stülpen, Tablette hineinfallen lassen. Gas wird im Ballon aufgefangen. Nachher wiegen – die Masse bleibt gleich.

Sicherheitshinweise: Keine besonderen Gefahren. Darauf achten, dass der Kolben nicht umkippt.

Häufige Fehler
  • Ballon ist nicht dicht am Kolben → Gas entweicht → Masse nimmt scheinbar ab
  • Waage ist nicht genau genug → Unterschied nicht messbar
  • Lernende verwechseln «Masse bleibt gleich» mit «Volumen bleibt gleich»

Experiment: Katalase in Kartoffeln (H₂O₂-Zersetzung)

Zeitbedarf: 30 Min

Vorbereitung: Rohe Kartoffel (frisch geschält!), 3% Wasserstoffperoxid (aus der Apotheke), Reagenzgläser, Glimmspan.

Durchführung: Kleines Stück Kartoffel in Reagenzglas, H₂O₂ zugeben. Schaumbildung beobachten. Glimmspanprobe zeigt: Es entsteht Sauerstoff (O₂). Vergleich: gekochte Kartoffel (Enzym zerstört – keine Reaktion).

Sicherheitshinweise: 3% H₂O₂ ist reizend – Schutzbrille! Höhere Konzentrationen NICHT verwenden.

4 Verbrennung, Oxidation und Korrosion

Didaktische Hinweise

Einstiegsmöglichkeiten

  • Provokante Frage: «Kann Eisen brennen?» – Die meisten Lernenden werden verneinen. Dann Eisenwolle über der Flamme entzünden (Lehrerdemonstration).
  • Alltagsbezug: Fotos von verrosteten Autos, Brücken, Velorahmen. Frage: «Was passiert da? Wie kann man es verhindern?»
  • Verbrennungsdreieck: Drei Kerzen – bei einer den Sauerstoff wegnehmen (Glas drüber), einer den Brennstoff wegnehmen (Docht abschneiden), einer die Zündtemperatur wegnehmen (nasses Tuch). Was passiert jeweils?

Vorwissen aktivieren

Aus Kapitel 3 wissen die Lernenden, was eine chemische Reaktion ist und können Wortgleichungen aufstellen. Verbrennung ist eine spezielle chemische Reaktion – eine Reaktion mit Sauerstoff (Oxidation). Knüpfen Sie an die Erfahrung mit dem Bunsenbrenner an (Kap 1).

Differenzierung A / E / P

Niveau A
  • Verbrennungsdreieck erklären
  • Rosten als langsame Oxidation verstehen
  • Brandschutzmassnahmen benennen
Niveau E
  • Oxide benennen und Wortgleichungen schreiben
  • Rostschutzmethoden erklären
  • Verschiedene Feuerlöschertypen vergleichen
Niveau P
  • Reduktion als Umkehrung der Oxidation
  • Redoxreaktionen beschreiben (auf Stoffebene)
  • Metallgewinnung durch Reduktion erklären

Lösungen zu den Aufgaben

Aufgabe 4.1 (A): Nenne die drei Bedingungen des Verbrennungsdreiecks.

Lösung: (1) Brennbarer Stoff (Brennstoff). (2) Sauerstoff (Luft). (3) Erreichen der Zündtemperatur (Wärme/Energie). Fehlt eine der drei Bedingungen, gibt es keine Verbrennung.

Aufgabe 4.2 (A): Erkläre, warum man einen Fettbrand NICHT mit Wasser löschen darf.

Lösung: Brennendes Fett hat eine Temperatur von über 300 °C. Wenn Wasser darauf geschüttet wird, verdampft es sofort explosionsartig (Volumenvergrösserung um das ca. 1700-fache). Der Wasserdampf reisst das brennende Fett mit sich in die Höhe – es entsteht eine riesige Stichflamme (Fettexplosion). Fettbrände löscht man durch Abdecken (Deckel, Löschdecke) oder mit einem speziellen Fettbrandlöscher.

Aufgabe 4.3 (E): Stelle die Wortgleichung für die Verbrennung von Magnesium auf und benenne das Produkt.

Lösung: Magnesium + Sauerstoff → Magnesiumoxid. Das Produkt Magnesiumoxid ist ein weisses Pulver. Die Reaktion ist stark exotherm und erzeugt ein sehr helles, weisses Licht.

Aufgabe 4.4 (E): Erkläre, welche Bedingungen Eisen zum Rosten braucht und wie man Rosten verhindern kann.

Lösung: Eisen braucht zum Rosten: Sauerstoff UND Wasser (Feuchtigkeit). Ohne eines der beiden findet keine Korrosion statt. Rostschutz: (1) Beschichtung – Lackieren, Verzinken, Verchromen, Einölen (verhindert Kontakt mit Wasser und Sauerstoff). (2) Legierung – Edelstahl enthält Chrom, das eine schützende Oxidschicht bildet. (3) Kathodischer Schutz – ein unedleres Metall (z.B. Zink) «opfert» sich und rostet statt dem Eisen.

Aufgabe 4.5 (P): Erkläre den Unterschied zwischen Oxidation und Reduktion. Beschreibe eine Redoxreaktion mit einem Beispiel.

Lösung: Oxidation = Aufnahme von Sauerstoff (oder allgemeiner: Abgabe von Elektronen). Reduktion = Abgabe von Sauerstoff (oder: Aufnahme von Elektronen). Beide laufen immer gleichzeitig ab (Redoxreaktion). Beispiel: Kupferoxid + Kohlenstoff → Kupfer + Kohlenstoffdioxid. Das Kupferoxid wird reduziert (gibt Sauerstoff ab → Kupfer entsteht). Der Kohlenstoff wird oxidiert (nimmt Sauerstoff auf → CO₂ entsteht).

Aufgabe 4.6 (P): Warum verbrennt Eisenwolle leicht, ein Eisennagel aber nicht? Erkläre mit dem Begriff «Oberfläche».

Lösung: Eisenwolle hat im Vergleich zu ihrer Masse eine sehr grosse Oberfläche. Dadurch hat mehr Eisen gleichzeitig Kontakt mit Sauerstoff, und die Reaktion kann schneller ablaufen. Der Nagel hat eine viel kleinere Oberfläche im Verhältnis zu seiner Masse – die Wärme kann nicht schnell genug entstehen, um die Zündtemperatur zu halten. Je grösser die Oberfläche, desto schneller die Verbrennung (Prinzip auch bei Staubexplosionen).

Experiment-Hinweise

Experiment: Eisenwolle verbrennen

Zeitbedarf: 20 Min (Lehrerdemonstration)

Sicherheitshinweise (wichtig!)

Nur als Lehrerdemonstration! Eisenwolle mit Batterie (9V) oder Bunsenbrenner entzünden. Feuerfeste Unterlage verwenden. Mindestabstand 2 m zu den Lernenden. Funkenflug möglich – Schutzbrille! Abzug oder gut belüfteter Raum. Glühende Eisenwolle NICHT fallen lassen.

Alternative: Video zeigen, anschliessend die Produkte (Eisenoxid) vorzeigen und untersuchen lassen.

Experiment: Rostversuch (Langzeitexperiment)

Zeitbedarf: 15 Min Aufbau + 1–2 Wochen Beobachtung

Vorbereitung: 4 Reagenzgläser mit je einem Eisennagel: (1) normal an der Luft, (2) in abgekochtem, verschlossenem Wasser (ohne Luft), (3) in Wasser mit Luft, (4) mit Trockenmittel (Silikagel) – Luft ohne Feuchtigkeit. Nach 1–2 Wochen vergleichen.

Erwartetes Ergebnis: Nur Nagel 3 rostet (Wasser + Luft). Alle anderen bleiben blank.

Alternative: Stahlwolle statt Nägel verwenden (rostet schneller, Ergebnis schon nach 2–3 Tagen sichtbar).

Experiment: Kupferoxid-Reduktion

Zeitbedarf: 45 Min

Sicherheitshinweise

Nur als Lehrerdemonstration oder unter strenger Aufsicht. Im Abzug arbeiten. Kupferoxid und Holzkohlepulver mischen, im Reagenzglas stark erhitzen. Entstehendes CO₂ mit Kalkwasser nachweisen. Heisses Kupfer nicht berühren!

Alternative: Nur für P-Niveau empfohlen. Für A/E: Video zeigen und Ergebnisse diskutieren.

5 Säuren, Basen und Salze

Didaktische Hinweise

Einstiegsmöglichkeiten

  • Geschmackstest (sicher!): Lernende probieren Zitronensaft (sauer), Seifenwasser (bitter/seifig – Vorsicht, nur ganz wenig!), und Wasser (neutral). Diskussion: Was ist sauer? Was ist basisch?
  • Rotkrautsaft: Demonstrieren Sie, wie Rotkrautsaft in verschiedenen Lösungen die Farbe ändert – eine eindrückliche visuelle Erfahrung.
  • Alltagsprodukte: Bringen Sie verschiedene Alltagsprodukte mit (Essig, Zitrone, Seife, Backpulver, Cola, Mineralwasser) und lassen Sie die Lernenden einschätzen: sauer oder basisch?

Vorwissen aktivieren

Die Lernenden wissen aus dem Alltag, dass Zitronen «sauer» sind. An dieses intuitive Wissen kann man anknüpfen. Aus Kapitel 3 kennen sie chemische Reaktionen und Nachweisreaktionen. Die Neutralisation ist eine chemische Reaktion – betonen Sie diese Verbindung.

Differenzierung A / E / P

Niveau A
  • pH-Skala ablesen und zuordnen
  • Indikatoren verwenden
  • Alltagsbeispiele für Säuren/Basen nennen
Niveau E
  • Wichtige Säuren/Basen benennen und Eigenschaften beschreiben
  • Neutralisation als Reaktion Säure + Base → Salz + Wasser
  • Verschiedene Indikatoren vergleichen
Niveau P
  • pH-Wert als Massstab für Säure-/Basenstärke
  • Wortgleichungen für Neutralisationsreaktionen
  • Salzbildung vorhersagen (welche Säure + welche Base = welches Salz?)

Lösungen zu den Aufgaben

Aufgabe 5.1 (A): Was bedeutet der pH-Wert? Ordne die folgenden pH-Werte zu: sauer, neutral, basisch: pH 2, pH 7, pH 12, pH 5, pH 9.

Lösung: Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Die Skala reicht von 0 (stark sauer) bis 14 (stark basisch). pH 7 ist neutral. Zuordnung: pH 2 = sauer, pH 5 = sauer, pH 7 = neutral, pH 9 = basisch, pH 12 = basisch.

Aufgabe 5.2 (A): Nenne drei Alltagsbeispiele für Säuren und drei für Basen.

Lösung: Säuren: Zitronensaft (Zitronensäure), Essig (Essigsäure), Magensäure (Salzsäure), Cola (Phosphorsäure). Basen: Seife/Waschmittel (Natronlauge), Backpulver (Natriumhydrogencarbonat), Rohrreiniger (Natriumhydroxid), Kalkwasser (Calciumhydroxid).

Aufgabe 5.3 (E): Beschreibe, wie Rotkrautsaft als Indikator funktioniert und welche Farben er bei verschiedenen pH-Werten zeigt.

Lösung: Rotkrautsaft enthält den Farbstoff Anthocyan, der seine Farbe je nach pH-Wert ändert. In saurer Lösung (pH 1–3): rot. Schwach sauer (pH 4–6): violett/pink. Neutral (pH 7): blau-violett. Schwach basisch (pH 8–10): grün/blau-grün. Stark basisch (pH 11–14): gelb/gelb-grün.

Aufgabe 5.4 (E): Erkläre, was bei einer Neutralisation passiert.

Lösung: Bei einer Neutralisation reagiert eine Säure mit einer Base. Dabei entstehen ein Salz und Wasser. Beispiel: Salzsäure + Natronlauge → Natriumchlorid (Kochsalz) + Wasser. Die sauren und basischen Eigenschaften heben sich gegenseitig auf – die Lösung wird neutral (oder nahezu neutral, je nach Mengenverhältnis).

Aufgabe 5.5 (P): Stelle die Wortgleichung für die Reaktion von Schwefelsäure mit Kalkwasser (Calciumhydroxid) auf und benenne das entstehende Salz.

Lösung: Schwefelsäure + Calciumhydroxid → Calciumsulfat + Wasser. Das Salz Calciumsulfat ist besser bekannt als Gips.

Aufgabe 5.6 (P): Welches Salz entsteht bei der Neutralisation von Essigsäure mit Natronlauge? Wie heisst es im Alltag?

Lösung: Essigsäure + Natronlauge → Natriumacetat + Wasser. Natriumacetat wird als Konservierungsmittel (E 262) in Lebensmitteln verwendet und ist Bestandteil von Handwärmern (Taschenwärmern).

Aufgabe 5.7 (A): Warum soll man bei Sodbrennen kein Backpulver nehmen, obwohl es die Magensäure neutralisiert?

Lösung: Backpulver (Natriumhydrogencarbonat) neutralisiert zwar die Magensäure, aber dabei entsteht CO₂-Gas. Das Gas dehnt den Magen und kann Aufstossen und Blähungen verursachen. Ausserdem regt die schnelle Neutralisation den Magen an, noch mehr Säure zu produzieren (Rebound-Effekt). Besser sind Antazida aus der Apotheke, die langsamer wirken.

Experiment-Hinweise

Experiment: Rotkrautsaft als Indikator

Zeitbedarf: 40 Min

Vorbereitung: Rotkraut (ca. 1/4 Kopf) klein schneiden, in Wasser kochen (15 Min), abseihen und abkühlen lassen. Pro Gruppe: 6 Reagenzgläser, Pipetten. Testlösungen: Essig, Zitronensaft, Leitungswasser, Seifenwasser, Natronlösung (verd.), Backpulverlösung.

Sicherheitshinweise: Verdünnte Natronlauge reizt die Augen – Schutzbrille! Rotkrautsaft färbt Hände und Kleider – Schürze empfohlen.

Alternative Materialien: Statt frischem Rotkraut: Tiefkühl-Rotkraut oder Rotkraut-Saft aus dem Glas. Blaubeer-Saft funktioniert ebenfalls (enthält auch Anthocyane).

Häufige Fehler
  • Zu viel Testlösung und zu wenig Indikator → Farbe ist schwer erkennbar
  • Reagenzgläser nicht beschriftet → Verwechslung
  • Rotkrautsaft zu heiss verwendet → Farbreaktion verfälscht

Experiment: Neutralisation mit Indikator

Zeitbedarf: 30 Min

Vorbereitung: Verdünnte Salzsäure (0.1 mol/l), verdünnte Natronlauge (0.1 mol/l), Universalindikator oder Rotkrautsaft, Becherglas, Pipette.

Durchführung: Salzsäure im Becherglas vorlegen, Indikator zugeben. Tropfenweise Natronlauge zugeben und Farbumschlag beobachten. Umschlagpunkt: pH 7 (neutral).

Sicherheitshinweise: Schutzbrille! Verdünnte Säuren und Laugen reizen Haut und Augen. Bei Hautkontakt sofort abspülen. Entsorgung: Neutralisierte Lösung kann verdünnt ins Abwasser.

Experiment: Salzkristalle züchten (Langzeit)

Zeitbedarf: 20 Min Aufbau + 1–3 Wochen Wachstum

Vorbereitung: Heisses Wasser, Alaun (Kaliumaluminiumsulfat, in der Apotheke oder online erhältlich) ODER normales Kochsalz. Becherglas, Faden, Bleistift/Holzstab.

Sicherheitshinweise: Vorsicht mit heissem Wasser. Alaun nicht verschlucken. Hände waschen nach dem Arbeiten.

Alternative: Kupfersulfat ergibt schöne blaue Kristalle, ist aber giftig und umweltgefährlich – nur unter Aufsicht und mit Handschuhen. Für Niveau A: Kochsalz verwenden (einfacher, sicher).

Häufige Fehler
  • Lösung nicht heiss genug → nicht genug Salz gelöst → Kristalle wachsen nicht
  • Kristall wird bewegt oder gestört → unregelmässiges Wachstum
  • Staub fällt in die Lösung → viele kleine statt einem grossen Kristall

6 Stoffe als globale Ressource

Didaktische Hinweise

Einstiegsmöglichkeiten

  • Provokation: Legen Sie ein altes Handy auf den Tisch. Frage: «Aus welchen Stoffen besteht dieses Gerät? Woher kommen diese Stoffe? Was passiert damit, wenn wir es wegwerfen?»
  • Weltkarte: Zeigen Sie eine Karte der wichtigsten Rohstoffvorkommen. Diskutieren Sie: Wer hat Zugang? Wer profitiert? Welche Konflikte gibt es?
  • Müllanalyse: Lernende dokumentieren eine Woche lang ihren eigenen Abfall und analysieren: Was könnte recycelt werden?

Vorwissen aktivieren

Die Lernenden haben in den vorangegangenen Kapiteln zahlreiche Stoffe kennengelernt (Metalle, Oxide, Säuren, Salze). In diesem Kapitel wird der Blick geweitet: Wo kommen diese Stoffe in der Natur vor? Wie gewinnt man sie? Und wie können wir nachhaltig mit ihnen umgehen? Auch Wissen aus dem Geografie-Unterricht (Rohstoffe, Klimawandel) kann einbezogen werden.

Differenzierung A / E / P

Niveau A
  • Wasserkreislauf beschreiben
  • Recyclingsymbole kennen
  • Einfache Nachhaltigkeitstipps formulieren
Niveau E
  • Kohlenstoffkreislauf erklären
  • Fossile vs. erneuerbare Energieträger vergleichen
  • Recyclingprozesse beschreiben
Niveau P
  • Treibhauseffekt chemisch erklären (CO₂, Methan)
  • Ökobilanz erstellen (vereinfacht)
  • Konfliktrohstoffe diskutieren

Lösungen zu den Aufgaben

Aufgabe 6.1 (A): Beschreibe den Wasserkreislauf in eigenen Worten.

Lösung: Wasser verdunstet aus Meeren, Seen und Flüssen durch die Sonnenwärme. Der Wasserdampf steigt auf, kühlt sich in der Höhe ab und kondensiert zu Wolken (winzige Wassertröpfchen). Wenn die Tröpfchen gross genug sind, fallen sie als Niederschlag (Regen, Schnee) auf die Erde zurück. Das Wasser fliesst über Bäche und Flüsse zurück ins Meer oder versickert im Boden (Grundwasser). Dann beginnt der Kreislauf von vorne.

Aufgabe 6.2 (E): Erkläre den Kohlenstoffkreislauf und nenne drei Kohlenstoffspeicher.

Lösung: Im Kohlenstoffkreislauf wird Kohlenstoff ständig zwischen verschiedenen Speichern ausgetauscht. Pflanzen nehmen CO₂ aus der Luft auf (Fotosynthese) und bauen Kohlenstoff in ihre Biomasse ein. Tiere fressen Pflanzen und atmen CO₂ aus. Abgestorbene Organismen werden zersetzt – dabei wird CO₂ freigesetzt. Über Millionen Jahre können Kohlenstoffverbindungen zu fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl, Erdgas) werden. Kohlenstoffspeicher: (1) Atmosphäre (als CO₂), (2) Ozeane (gelöstes CO₂), (3) Gestein/Kalkstein, (4) Biomasse (Wälder), (5) Fossile Brennstoffe.

Aufgabe 6.3 (A): Nenne drei fossile Brennstoffe und erkläre, warum sie «fossile» heissen.

Lösung: Kohle, Erdöl und Erdgas. Sie heissen «fossil» (lat. fossilis = ausgegraben), weil sie aus den Überresten von Lebewesen entstanden sind, die vor Millionen von Jahren gelebt haben. Unter hohem Druck und hoher Temperatur wurden diese organischen Reste über Jahrmillionen in Brennstoffe umgewandelt.

Aufgabe 6.4 (E): Erkläre den Treibhauseffekt und warum die Verbrennung fossiler Brennstoffe zum Klimawandel beiträgt.

Lösung: Die Sonne erwärmt die Erdoberfläche. Die Erde strahlt Wärme (Infrarotstrahlung) zurück ins All. Treibhausgase (CO₂, Methan, Wasserdampf) in der Atmosphäre absorbieren einen Teil dieser Wärmestrahlung und strahlen sie zurück zur Erde. Dieser natürliche Treibhauseffekt hält die Erde warm genug für Leben. Problem: Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wird zusätzliches CO₂ freigesetzt, das seit Millionen Jahren im Boden gespeichert war. Die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre steigt → mehr Wärme wird zurückgehalten → die Erde erwärmt sich (Klimawandel).

Aufgabe 6.5 (P): Recherchiere, welche Rohstoffe in einem Smartphone stecken. Benenne mindestens fünf chemische Elemente und ihre Funktion.

Lösung: (1) Silizium – Halbleiter für Chips und Prozessoren. (2) Lithium – Akku (Lithium-Ionen-Batterie). (3) Kobalt – Kathode im Akku. (4) Kupfer – Leiterbahnen und Kabel. (5) Gold – Kontakte (korrosionsbeständig). (6) Tantal – Kondensatoren. (7) Seltene Erden (z.B. Neodym) – Magnete im Lautsprecher und Vibrationsmotor. (8) Aluminium – Gehäuse. (9) Indium – Touchscreen (Indiumzinnoxid, ITO).

Aufgabe 6.6 (A): Ordne die Abfallarten den richtigen Recyclingsystemen zu: Glas, PET, Alu, Papier, Batterien, Elektrogeräte.

Lösung: Glas → Glascontainer (nach Farbe sortiert: weiss, grün, braun). PET → PET-Sammelstelle (Detailhandel). Alu → Alu-Sammlung (Gemeinde oder Detailhandel). Papier/Karton → Papiersammlung (Gemeinde). Batterien → Batteriesammelstelle (Detailhandel, Rückgabepflicht). Elektrogeräte → SWICO-Rückgabe oder Gemeinde-Sammelstelle (Rückgabepflicht in der Schweiz).

Aufgabe 6.7 (P): Diskutiere: Ist Recycling immer sinnvoll? Nenne Argumente dafür und dagegen.

Lösung: Dafür: Spart Rohstoffe und Energie (Alu-Recycling braucht 95% weniger Energie als Neugewinnung). Reduziert Abfall und Umweltverschmutzung. Verringert Abhängigkeit von Rohstoffimporten. Dagegen/Einschränkungen: Recycling braucht auch Energie (Transport, Aufbereitung). Nicht alle Materialien lassen sich beliebig oft recyceln (z.B. Papier – Fasern werden kürzer). Bei manchen Stoffen ist Recycling teurer als Neugewinnung. «Downcycling»: Die Qualität nimmt ab (z.B. gemischtes Plastik). Fazit: Recycling ist meist sinnvoll, aber «Reduce» und «Reuse» sind noch besser.

Experiment-Hinweise

Experiment: Wasserkreislauf im Modell

Zeitbedarf: 30 Min Aufbau + Beobachtung

Vorbereitung: Grosse Glasschüssel, kleine Schüssel (in die grosse gestellt), Frischhaltefolie, Stein, warmes Wasser (gesalzen für Meerwasser-Effekt), Lampe/Sonnenlicht.

Durchführung: Salzwasser in die grosse Schüssel, kleine leere Schüssel in die Mitte, Frischhaltefolie straff darüber, Stein in die Mitte der Folie (über der kleinen Schüssel). Lampe darauf richten. Das Wasser verdunstet, kondensiert an der Folie und tropft als Süsswasser in die kleine Schüssel.

Sicherheitshinweise: Vorsicht mit heissem Wasser. Lampe nicht zu nah an die Folie (Schmelzgefahr).

Experiment: Schwimm-Sink-Verfahren (Kunststoff-Recycling)

Zeitbedarf: 30 Min

Vorbereitung: Verschiedene Kunststoffstücke (PET, PE, PP, PS – Recycling-Codes 1, 2, 5, 6), Behälter mit Wasser, Behälter mit Salzwasser (gesättigt). Schere zum Zerkleinern der Kunststoffe.

Durchführung: Kunststoffstücke in Wasser legen. PE und PP schwimmen (Dichte < 1 g/cm³), PET und PS sinken. In Salzwasser sinkt nur noch PET. So kann man die Kunststoffe trennen.

Sicherheitshinweise: Keine besonderen Gefahren. Kunststoffstücke nach dem Experiment in den Kunststoffabfall.

Beurteilungsvorschläge

Grundsätze der Beurteilung

Die Beurteilung im Fach Chemie setzt sich aus summativen und formativen Elementen zusammen. Summative Beurteilungen (Prüfungen, Tests) messen den Lernstand. Formative Beurteilungen (Beobachtungen, Lernkontrollen, Rückmeldungen) unterstützen den Lernprozess.

Empfohlene Gewichtung

Beurteilungsform Anteil Beschreibung
Schriftliche Prüfungen 50% 4–5 Prüfungen pro Jahr (je nach Kapitelabschluss), niveaudifferenziert
Praktische Arbeiten 25% Experimentierprotokolle, Laborführerschein, praktische Prüfungen
Mitarbeit & Lernprodukte 25% Hefteinträge, Gruppenarbeiten, Projekte (z.B. Poster Kap 6), Engagement im Praktikum

Prüfungsvorschläge pro Kapitel

Prüfung Kap 1: Sicherheit im Labor (summativ)

Format: Laborführerschein – schriftlicher Teil (20 Min) + praktischer Teil (25 Min)

Schriftlich: GHS-Symbole erkennen und zuordnen (A), H-/P-Sätze interpretieren (E), Risikoanalyse erstellen (P). Verhaltensregeln im Labor. Erste-Hilfe-Massnahmen.

Praktisch: Bunsenbrenner korrekt bedienen, Geräte benennen, einfaches Experiment sicher durchführen (z.B. Wasser erhitzen, Volumen messen).

Bewertung: Bestanden/Nicht bestanden (Voraussetzung für alle weiteren Experimente). Bei Nichtbestehen: Nachprüfung nach einer Woche.

NT.3.3.a NT.3.3.b NT.3.3.c

Prüfung Kap 2: Stoffe und ihre Eigenschaften (summativ)

Format: Schriftliche Prüfung (45 Min), niveaudifferenziert

Inhalte: Stoffeigenschaften beschreiben und vergleichen (A). Aggregatzustände mit Teilchenmodell erklären (E). Dichte berechnen (P). Trennverfahren auswählen und begründen (A/E/P). Reinstoffe vs. Gemische unterscheiden.

Zusätzlich empfohlen: Praktische Prüfung «Unbekannten Stoff identifizieren» (Halbklassen, 30 Min).

NT.2.1.a NT.2.1.d NT.2.1.f

Prüfung Kap 3: Chemische Reaktionen (summativ)

Format: Schriftliche Prüfung (45 Min), niveaudifferenziert

Inhalte: Chemische Reaktion vs. physikalischer Vorgang (A). Wortgleichungen aufstellen (A/E). Massenerhaltung erklären (E). Exotherme/endotherme Reaktionen am Energiediagramm (E/P). Nachweisreaktionen beschreiben (E). Katalysator erklären (P).

NT.2.2.a NT.2.2.d NT.3.1.a

Prüfung Kap 4: Verbrennung, Oxidation, Korrosion (summativ)

Format: Schriftliche Prüfung (45 Min), niveaudifferenziert

Inhalte: Verbrennungsdreieck erklären und anwenden (A). Wortgleichungen für Verbrennungen (E). Rostbedingungen und Rostschutz (A/E). Brandbekämpfung – Feuerlöschertypen (E). Oxidation und Reduktion beschreiben (P). Redoxreaktionen (P).

NT.2.2.a NT.2.2.c NT.3.1.c

Prüfung Kap 5: Säuren, Basen und Salze (summativ)

Format: Schriftliche Prüfung (45 Min), niveaudifferenziert

Inhalte: pH-Skala lesen und zuordnen (A). Indikatoren anwenden (A/E). Wichtige Säuren und Basen benennen (E). Neutralisation erklären (E). Wortgleichungen für Neutralisationen (P). Salzbildung vorhersagen (P).

Zusätzlich empfohlen: Praktische Prüfung «Unbekannte Lösung bestimmen» (pH-Messung, Indikator).

NT.2.2.a NT.3.1.a NT.3.1.b

Abschluss Kap 6: Stoffe als globale Ressource (formativ + summativ)

Format: Projektarbeit + kurzer Test (30 Min)

Projektarbeit (formativ): Nachhaltigkeits-Poster in Zweiergruppen. Die Lernenden wählen ein Thema (Wasserkreislauf, Recycling, seltene Erden, Treibhauseffekt) und erstellen ein informatives Poster. Bewertung mit Kriterienraster (Inhaltliche Richtigkeit, Gestaltung, Quellenangaben, Präsentation).

Kurzer Test (summativ): Wasserkreislauf beschreiben (A). Kohlenstoffkreislauf erklären (E). Treibhauseffekt (E/P). Recycling-Zuordnung (A). Ökobilanz-Argumentation (P).

NT.3.2.a NT.3.2.b NT.3.2.c

Formative Beurteilungsinstrumente

Instrument Beschreibung Häufigkeit
Exit-Tickets Am Ende jeder Lektion: 1–2 Fragen auf einem Zettel abgeben. Gibt schnelle Rückmeldung über den Lernstand. 1–2× pro Woche
Hefteinträge Regelmässige Kontrolle der Hefteinträge. Sind die Definitionen korrekt? Sind die Diagramme beschriftet? Alle 2–3 Wochen
Experiment-Protokolle Bewertung der Protokolle nach Kriterien: Fragestellung, Durchführung, Beobachtung, Auswertung. Nach jedem Experiment
Lernzielkontrollen (kurz) 5–10-minütige Mini-Tests ohne Note. Dienen der Selbsteinschätzung. Mitte jedes Kapitels
Peer-Feedback Lernende geben sich gegenseitig Rückmeldungen (z.B. bei Poster-Projekten oder Experimenten). 1× pro Kapitel
Selbsteinschätzung Lernende schätzen am Ende jedes Kapitels ihren Lernstand ein (Ampel: grün/gelb/rot). Vergleich mit dem tatsächlichen Ergebnis. Ende jedes Kapitels

Niveaudifferenzierung bei Prüfungen

Empfehlung

Erstellen Sie pro Prüfung einen gemeinsamen Grundteil (Aufgaben A/E, ca. 60% der Punkte) und Zusatzaufgaben für die verschiedenen Niveaus. Niveau A bearbeitet den Grundteil. Niveau E bearbeitet den Grundteil + E-Zusatzaufgaben. Niveau P bearbeitet den Grundteil + E-Aufgaben + P-Transferaufgaben. Alternativ können Sie drei separate Prüfungsversionen erstellen, was aufwändiger ist, aber eine genauere Differenzierung ermöglicht.

Notengebung: Die Note orientiert sich am jeweiligen Niveau. Eine 6 auf Niveau A ist möglich und gerechtfertigt. Die Niveauzuweisung im Zeugnis erfolgt gemäss den kantonalen Vorgaben BL.

Re:aktiv – Lehrmittel Chemie 8. Klasse Sekundarschule Basel-Landschaft | Lehrplan 21 BL